Redaktion: Stromskala
Ein Vergleichswert ist keine Streckengarantie
WLTP liefert standardisierte Vergleichswerte. Deine Strecke kann davon durch Tempo, Temperatur, Höhenprofil, Reifen und Nebenverbraucher abweichen. Vergleiche deshalb zunächst gleich bezeichnete Varianten und Werte aus derselben Messmethode. Eine günstige Ausstattungsvariante darf nicht stellvertretend für jedes Fahrzeug einer Modellfamilie stehen.
Fahrverbrauch und Netzbezug unterscheiden
Der im Fahrzeug angezeigte Energiebedarf und die Energie einer Ladeabrechnung können unterschiedliche Grenzen abbilden. Der WLTP-Nennverbrauch berücksichtigt Ladeverluste. Es ist deshalb nicht korrekt, ohne Prüfung erneut einen pauschalen Verlustaufschlag darauf zu rechnen.
Rechenbeispiel: Für eine Strecke werden 18 kWh aus der Batterie genutzt. Zum Wiederherstellen des Ausgangsladestands werden am Zähler 20 kWh benötigt. Der Verlust beträgt in diesem Beispiel 2 kWh oder zehn Prozent des Netzbezugs. Bezogen auf die Batterieenergie sind es dagegen rund 11,1 Prozent. Die Bezugsgröße muss mitgenannt werden.
Warum Akku geteilt durch WLTP-Verbrauch nicht die WLTP-Reichweite ergibt
Wer eine Netto-Batteriekapazität durch einen Verbrauch einschließlich Ladeverlusten teilt, mischt zwei Grenzen. Das kann einen anderen Wert liefern als die veröffentlichte WLTP-Reichweite. Verwende für die offizielle Reichweite den dazugehörigen Herstellerwert. Für eine persönliche Überschlagsrechnung verwendest du nutzbare Energie und einen passend abgegrenzten Fahrzeugverbrauch.
Die Ladefensterrechnung
Bei angenommenen 60 kWh nutzbarer Kapazität und einem Fenster von 80 bis 10 Prozent stehen 42 kWh zur Verfügung. Bei 18 kWh/100 km ergibt das rund 233 km; bei 24 kWh/100 km sind es 175 km. Diese Rechnung ist transparent, aber ohne Strecken- und Wettermodell keine Navigation.
Eine Fahrt mit voller Batterie kann eine andere erste Etappe erlauben als spätere Etappen nach einer Ladung bis 80 Prozent. Teile diese Fälle in der Reiseplanung auf. Reserve, Umweg und mögliche Ladealternativen sind zusätzliche Entscheidungen.
Eigene Werte sinnvoll sammeln
Erfasse mehrere vergleichbare Fahrten und notiere Strecke, Wetter, Tempo, Ladestand und Messquelle. Ein Durchschnitt aus einer ganzen Saison ist oft nützlicher als ein besonders günstiger Rekordwert. Bei Ladeabrechnungen sollte der Beginn und das Ende des beobachteten Zeitraums einen vergleichbaren Batteriestand haben.
Kennzeichne daraus abgeleitete Werte als eigene Beobachtung und beschreibe die Bedingungen. Übertrage sie nicht ohne Weiteres auf andere Batterievarianten. Für einen Kostenvergleich zählen die abgerechneten kWh, für die Reichweite die im geplanten Ladefenster nutzbare Batterieenergie.
Quellen und Einordnung
Dieser Beitrag erläutert veröffentlichte Informationen und eigene Modellrechnungen. Er berichtet keinen eigenen Fahrzeug- oder Produkttest. Zahlen in Beispielen sind Annahmen; verbindliche Ausstattungen und Konditionen stehen in den jeweiligen Vertragsunterlagen.
- EV Database: Messgrenzen von Nenn- und Fahrzeugverbrauch (Beispieldatenblatt)
- Tesla: Europäisches Model-Y-Handbuch
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