AC („Alternating Current" = Wechselstrom) und DC („Direct Current" = Gleichstrom) sind die zwei grundlegenden Ladearten für E-Autos. Der Unterschied ist nicht nur technisch — er entscheidet über Ladezeit, Preis, Batterieschonung und Netzkompatibilität.
AC-Laden: der Alltag
Wallboxen und öffentliche AC-Säulen (Typ 2) liefern Wechselstrom. Der On-Board-Charger (OBC) im Auto wandelt ihn in Gleichstrom um, mit dem die Batterie geladen wird. Die maximale Leistung wird durch den kleinsten Wert in der Kette bestimmt (Wallbox / Kabel / OBC).
Schuko-Steckdose
2,3 kW · 20–24 h
Wallbox 11 kW
5–7 h
Wallbox 22 kW
2,5–3,5 h
Die meisten E-Autos haben einen 11-kW-OBC (dreiphasig, 3×16 A). Nur Tesla Model S, Renault Zoe, Smart EQ und einige BMW-Modelle haben 22-kW-fähige OBCs. Deshalb bringt eine 22-kW-Wallbox in vielen Fällen keinen Vorteil.
DC-Laden: der Boost
An DC-Ladern (CCS, ChaDeMo) wird der Strom bereits vor der Steckerbuchse in Gleichstrom umgewandelt. Der OBC wird umgangen — der Strom fließt direkt in die Batterie. Deshalb sind Ladeleistungen von 50 bis 400 kW möglich.
DC 50 kW
~1 h für 10→80 %
HPC 150 kW
~25 min für 10→80 %
Ultra 350 kW
~15 min für 10→80 %
Die Ladekurve — warum du nie 0 → 100 % schnellladen willst
Batterien laden nicht linear. Zwischen 20 und 60 % Ladezustand erreichen sie ihre Spitzenladeleistung; ab 70–80 % fällt sie deutlich ab, um die Zellen zu schonen. Bei 100 % ist die Ladeleistung nur noch bei 5–10 kW.
Ladekurven bekannter Modelle (Peak / durchschnittlich 10→80 %)
Batterieschonung: schadet DC-Laden?
Kurze Antwort: In vernünftigem Umfang nein. Studien von Recurrent (USA) und dem Fraunhofer ISI zeigen: Fahrzeuge, die 50 % ihrer Ladezyklen auf HPC-Ladern verbringen, degradieren nach 5 Jahren nur 2–4 % schneller als Fahrzeuge, die überwiegend AC-laden. Moderne Batteriesteuerungen puffern die Zellen aktiv.
Trotzdem gilt: täglich HPC laden statt zu Hause per AC ist ökologisch und wirtschaftlich Unsinn. HPC-Strom kostet 55–79 ct/kWh, AC zu Hause 26–32 ct/kWh — bei 2.700 kWh/Jahr ergibt das eine Differenz von rund 800 € pro Jahr.
Wann welche Ladeart wählen?
Wallbox / AC (zu Hause)
90 % der Ladezyklen. Günstig, batterieschonend, planbar. Der Alltag.
DC 50 kW
Kurze Zwischenstopps in der Stadt, wenn du 30–45 min Zeit hast (Einkauf, Restaurant). Sinnvoll bei Modellen ohne HPC-Fähigkeit oder wenn kein HPC in der Nähe.
HPC 150+ kW
Langstrecke auf der Autobahn. 10 → 80 % in unter 30 min ist der Standardfall. Ein Kaffee, kurzer Toilettenstopp — weiter geht's.
Ultra-HPC 300+ kW
Nur relevant, wenn dein Auto es kann (Ioniq 5, EV6, Taycan, e-tron GT, Model Y Refresh 2025). Sonst ist Ionity 350 kW verschwendet.
Vorkonditionierung: der Turbo, den viele vergessen
Kalte Batterien laden nur mit 50–70 % der möglichen Leistung. Fast alle modernen E-Autos können die Batterie vor dem Ladestopp vorwärmen, wenn im Navi ein Schnelllader als Ziel eingetragen ist. Bei Kälte (−5 °C) sparst du damit bis zu 12 Minuten pro Ladestopp. Aktivier's im Fahrzeugmenü, nutz die Herstellernavigation.
Fazit
Verstehe die Ladekurve deines Autos, und du planst Reisen fast schon von selbst. HPC-Ladung ist ein grandioses Werkzeug für die Langstrecke — aber der Alltag findet an der eigenen Wallbox statt. Wer beides kombiniert, hat die maximale Freiheit bei minimalen Kosten.
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